„VAZ“ vom 15. Juni 2022: Kompass durch die Krise

Widerstandsfähigkeit von Betrieben in der Region: startklar stellt Studie vor

Nach zwei Jahren Corona und ihren Folgen häufen sich die düsteren Prognosen, dass die Zukunft immer wieder Krisen mit sich bringen wird. Für Unternehmen stellt sich damit zunehmend die Frage, wie sie sich darauf einstellen können. Überkommene hierarchische Firmenorganisation mit autoritären Führungsstrukturen machen nicht krisenfest, lautet die Antwort, die 40 Unternehmen aus der Region gefunden haben. Eine wissenschaftlich begleitete Studie, die das Ergebnis aus einem EU-geförderten Projekt des Verdener Beratungsunternehmens startklar zusammenfasst, wurde jetzt in Verden vorgestellt.

 

„Corona war wie ein Brennglas, das all die hemmenden Strukturen aufgedeckt hat“, war ein zufriedenes Fazit aus der Runde der Projektteilnehmer, die sich die Präsentation nicht entgehen lassen wollten. Flexibilität und Aufgeschlossenheit für Neues habe oft den Weg durch die Krise geebnet, hieß es. Überrascht zeigten sich Teilnehmer von der Bedeutung der Kommunikation. Gespräche und Austausch über die Abteilungsgrenzen hinweg und ein Klima, in dem sich die Beteiligten mit ihren Beiträgen vor Angriffen sicher fühlen, führe zu innovativen und tragfähigen Ideen, war eine der zentralen Erkenntnisse.

 

Zehn Lektionen haben die Teilnehmer und das startklar-Team auf der Suche nach der Widerstandskraft der Unternehmen als Ergebnis aus einer Befragung herausgefiltert. Unter der Begleitung von Professor Dr. Guido Becke, Forschungssleiter am Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen, wurde daraus eine Studie. Ausgerechnet die Pandemie war jetzt der Grund, dass der Dozent nicht persönlich anwessend sein konnte, als Claus von Cramer bei der offiziellen Präsentation in der Halle 57 am Kreishaus die Ergebnisse vorstellte. Mit Projektleiterin Min von Cramer und Dr. Thomas Mill ist er Geschäftsführer von startklar. Der Bremer Wissenschaftler war aber dann doch, wie es durch Corona zur Gewohnheit geworden ist, per Video-Schalte präsent und ergänzte die Vorstellung.

Projekt mit 40 Unternehmen aus der Region

Die Frage, was ein Unternehmen krisenfest macht, können am besten die beantworten, die durch eine Krise gekommen sind. Das war der Ansatz, als sich startklar im Frühjahr auf die Suche nach dem Erfolgsrezept machte. Mit einer Liste von Fragen waren die Coaches und Berater auf die Teilnehmer des von ihnen begleiteten Projektes „Unikat+“ zugegangen. Mit den Folgen der Corona-Krise konfrontiert, hatten sich im Projekt 40 Unternehmen aus den Landkreisen Verden und Osterholz daran gemacht, ihren Umgang mit den Bedingungen im Lockdown und unter Kontaktbeschränkungen zu untersuchen.

 

„Wir haben festgestellt, dass vor allem die Firmen zu Antworten bereit waren, die mit Erfolg durch die Krise gekommen sind“, berichtete von Cramer der Runde von 20 Projektteilnehmerinnen und zwei Teilnehmern. 35 Unternehmen hatten sich auf die Befragung eingelassen. Darunter Betriebe sehr unterschiedlicher Größe, aber auch Vertreter von Behörden wie der Wirtschaftsförderung der Landkreise Verden und Osterholz oder das Fachkräftebündnis Elbe-Weser. Das Projekt hatte startklar im Rahmen eines EU-Programms mit zusätzlicher Unterstützung der beiden Landkreise angeboten.

Zehn Lektionen für Krisenstabilität

In den zehn Lektionen für die Krisenstabilität nannte Claus von Cramer Innovationskraft, Weitsicht und Bereitschaft zum Ausprobieren und zum Lernen. Ebenso wirke sich die offene und gleichberechtigte Kommunikation innerhalb des Unternehmens positiv aus, aber auch der Blick über den Tellerrand auf die Verfahrenswege anderer.

 

Guido Becke bestätigte diese Ergebnisse und betonte die große Bedeutung von Spielräumen für die Autonomie von Mitarbeitern und die Stärkung ihrer Flexibilität. Becke empfahl den Firmen aber auch, nicht ohne Stabilitätsanker in die Verändwerungsprozesse zu gehen. Dabei gehe es einerseits um Werte, die über die Innovationen hinaus Bestand haben, und Vertrauen in das Personal. Aber auch den rechtzeitigen Aufbau von Ressourcen für die Veränderung empfahl Becke.

 

„Das ist wie ein Leitfaden“, lautete schließlich ein positives Fazit aus den Reihen der Teilnehmer. Dabei sei deutlich geworden, dass es nicht darum gehe, ein allgemeingültiges Rezept zu verordnen. „Vielmehr ist das Ergebnis der Studie ein Verfahrensweg, der individuelle Lösungen für die Firmen ermöglicht und fördert“, stimmte Claus von Cramer zu.

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